|
Kosten CDs zu viel? Die derzeitige Diskussion über angeblich zu hohe CD-Preise ist nicht nur ärgerlich, sondern auch peinlich, weil sie vom eigentlichen Problem der derzeit schlechten Verkäufe von CDs ablenken. Anstatt sich darum zu kümmern, den Kauf von CDs durch Steigerung der Qualität der aufgenommenen Musik zu beleben, soll plötzlich der zu hohe Preis schuld an der Misere sein. Ich bezweifle aber, dass schlechte Musik sich dann besser verkauft, wenn der Preis gesenkt wird. Auch umsonst möchte ich keine CD haben, wenn die Musik darauf nichts taugt. |
|
|
Einziger Grund, über die Preise nachzudenken, besteht im Zweifel nur aufgrund der durch Cash & Carry Märkte geübten Praxis, Musik-CDs als Lockvogelangebote zu benutzen und CDs unter dem Einkaufspreis anzubieten. Auch wenn hierdurch beim Konsumenten die irrige Vorstellung geweckt wird, dass deswegen alle anderen (Fach-) Händler CDs zu teuer anbieten, kann das Versäumnis der Industrie, gegen die Verkaufspraxis der Billig-Anbieter vorzugehen, nicht Grund sein, für eine Preissenkung auf breiter Front zu stimmen. Wenn der Industrie am Erhalt des Fachhandels gelegen ist, muss sie akzeptieren, dass dieser keine Produkte führt, die aufgrund billig angebotener CDs mit Gewinn verkauft werden können. Anders als Cash & Carry Märkte hat der Fachhandel keine Chance zur Mischkalkulation aus verlustbringend billig verkauften CDs und gewinnbringend verkauften anderen Artikeln. Vielmehr wäre es an der Zeit, dem Unwesen des Verramschens durch die Großmärkte entgegen zu treten, wenn nicht ein weiteres Händlersterben provoziert werden soll. Wenn der Industrie einerseits klar ist, dass für bestimmte Genres der Musik bundesweit nur noch zwei Dutzend Läden existieren, ist es absurd, wenn durch Preispolitik auch noch das Überleben dieser wenigen Verkaufsstellen gefährdet wird. Zudem wird beim Lamento über hohe CD-Preise im Handel vergessen, dass Musik ohnehin permanent billiger zu haben ist. Wenn - bei Preisbindung und geringer Verkaufssteuer! - 1959 (als ich mein erstes Album gekauft habe) eine LP DM 18,00 gekostet hat, dagegen der Durchschnittsverdienst nur bei DM 600,00 gelegen hat, wird dies mehr als deutlich: eine LP hat in 1959 3 % eines Monatsverdienstes gekostet! In 1968 hat eine LP durchschnittlich DM 20,00 gekostet, wobei der Monatsverdienst etwa bei DM 1.200,00 gelegen hat. Damit entsprach der Preis eines Albums etwa 1,66 % des Verdienstes. Wenn heute bei durchschnittlichen Einkommen von € 1.535,00 (bzw. rd. DM 3.000,00) eine CD rd. € 18,00 (bzw. rd. DM 36,00) kostet, entspricht der Preis rd. 1,17 % des Einkommens. Berücksichtigt man, dass aus technischen Gründen eine LP nur 34 Minuten Spieldauer hatte, CDs aber zumeist 50 Minuten Spieldauer haben, d.h. rd. ein Drittel mehr, so bedeutet dies, dass heute für ein Album mit dieser Spieldauer nur noch 0,78 % eines Monatseinkommens gezahlt werden müssen! Wenn aber gegenüber 1959 sich der Preis von Musikkonserven auf weniger als ein Drittel des damals geltenden Preises reduziert hat, ist es kaum überzeugend, wenn behauptet wird, der Preis für CDs sei zu hoch. Sofern die Inhalte der CDs "stimmen", d.h. inhaltlich ansprechende und überzeugende Musik mit Langzeitwert angeboten wird, dürfte auch das Interesse wieder zunehmen, CDs zu kaufen. Dagegen wird das Gefühl, etwas zu teuer kaufen zu sollen, mit Sicherheit sich dort einstellen, wo die Musik substantiell dürftig ist. Also: weg mit der unsinnigen Diskussion angeblich zu hoher Preise und auf zu mehr Qualität des Angebots! Berlin, den 28.1.2002 Schulze-Rossbach [ zurück ] |
|